MILONGA

 

Vorbei

Die Milonga

Zwischen Stühlen, die im leeren Ballsaal

Klappernd in Wandschränken verschwinden

Ein letzter Tango

Gebe ich mich dir

Gibst du dich mir hin

Tanzen wir den Tanz des unstillbaren Verlangens und

Ungesättigten Sehnens

Pulsiert feuchtwarm deine Hand in meiner

Trommelt mein Herz gegen deinen Brustkorb

Reiben wir uns aneinander auf

Hält das Leben still

Transportiert ein Stüc

TANGO

 

Heiser wirbt das Bandoneon

Lehnt meine Wange an deiner

Mein Nacken in deiner Hand

Streift mein Fuß deine Wade entlang

Dein Atem an meinem Ohr

Umschmeichelt dein Schenkel meinen

Entzündet sich unsere Haut

Verharren wir regungslos

Und keiner von uns gibt nach

Ein traurig getanzter Gedanke

Greift ein in den Lauf der Zeit

Dreht sich selig taumelnd im Kreis

Mit geschlossenen Augen seh ich

Den Mond auf die Erde fallen

Wie ein Raubtier erwacht die Gier

Nach Leben und wird niemals satt

 

(© Miriam Frankovic

erschienen  in „Tangonächte“ Lyrik 2000 S/

 Herausgeber: Andreas Sticklies)